Jan24

Bomba besucht Bolivien

Von Miguel A. Buitrago Kategorie Bau / Infrastruktur, Geschäftsmöglichkeit, Entwicklung, Energie, Politik

Staatssekretär Bomba und President Morales beim Unterzeichnen von Absichtserklärungen (Quelle: ABI)

Als Bolivia-Vision vom Besuch Evo Morales in Deutschland berichtete, war auch die Rede von einem Gegenbesuch des Staatssekretärs im Ministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur, Reiner Bomba, im Januar 2016.

Herr Bomba besuchte Bolivien vom 11.-15. Januar, zusammen mit einer Delegation von 25 Unternehmern aus Deutschland und der Schweiz. Bombas Bestreben war es, nicht nur die deutsch-bolivianischen Beziehungen zu vertiefen, sondern auch die während des Besuchs von Morales im November 2015 angesprochenen Projekte weiter zu konkretisieren.

Bei Bombas Besuch wurden insbesondere drei Projekte besprochen. Das wichtigste davon ist die sogenannte bi-ozeanische Bahn, welche den Pazifik und den Atlantik verbinden soll. Starten soll der Zug in Puerto de Santos (Brasilien), dann durch Bolivien fahren und in Ilo oder in Matarani (Peru) enden. Hierzu wurde eine Absichtserklärung zwischen der bolivianischen Regierung und einer deutschen Firma, der Molinari Rail, unterzeichnet. Diese Absichtserklärung bezieht zudem weitere Transportprojekte in Santa Cruz mit ein, z.B. eine Regionalbahn zwischen Warnes und Santa Cruz Stadt. Als zweites wurde ein Vorvertrag zwischen dem bolivianischen Kohlenwasserstoff-Ministerium und der Firma Enercom unterzeichnet, um Projekte im Bereich der Windenergie zu entwickeln. Bolivien ist sehr am Technologietransfer von Windkraft interessiert. Als drittes haben das bolivianische Ministerium für öffentliche Arbeiten und das Ministerium von Herr Bomba eine Absichtserklärung zur Entwicklung weiterer Projekte im Transportbereich unterzeichnet.

Trotz aller guten Absichten von beiden Seiten, bleiben die Pläne für den Moment genau dass: eben nur Absichten. Ein auffallendes Problem bleibt beispielsweise die Finanzierung. Die bolivianische Regierung musste, mindestens seit dem Fall der Ölpreise weltweit, kontinuierlich ihren Finanzplan korrigieren. Nun, wo der Ölpreis unter 30 Dollar gefallen ist, hat die Regierung erklärt, es gebe andere Töpfe zur Sicherung des Investitionsplans. So hat Bolivien vor allem in den letzten Jahren mehrmals Überschüsse gemacht. Dieses Geld würde laut Finanzminister Arce für solche Investitionen bereit stehen. Zudem rechnet Herr Arce mit nicht ausgegebenen Geldern der Munizipien und Departamentos, sowie mit Boliviens erheblichen Währungsreserven. Bedenklich ist allerdings, dass Wirtschaftsexperten mit einem Haushaltsdefizit für Bolivien in 2016 rechnen und auch Schwierigkeiten dabei sehen, auf die von den Munizipien und Departamentos nicht in Anspruch genommenen Mittel zuzugreifen. Diese Experten rechnen stattdessen mit mehr Krediten, entweder von China oder von Deutschland.

Für Deutschland sollte die Situation klarer sein; dem ist aber nicht so. So blieb Bomba in einen Interview mit einer bolivianischen Zeitung sehr vage, als er sagte: „es wird eine Mischung von privater und öffentlicher Finanzierung geben.“ Wie viel davon von der deutschen Regierung komme, hatte er nicht gesagt. „Es gibt noch keine Entscheidung, aber es gibt genug Mittel und günstiger Preise“, so Bomba.

Am Abschluss seines Besuches in Bolivien resümierte Herr Bomba jedoch einen erfolgreichen Besuch. Auch wenn die Details der gemeinsamen Pläne noch sehr zu wünschen lassen, insbesondere bei Fragen der Finanzierung, so öffnete dieser Besuch doch auch viele Chancen für die deutsche Wirtschaft. Bolivien befindet sich in einer stabilen politischen Phase, und, obwohl die Wirtschaftsprognosen negativer ausfallen, ist das Wirtschaftswachstum Boliviens immer noch beachtlich. Darum sieht die deutsche Regierung das Potenzial für die wirtschaftlichen Beziehungen mit Bolivien insgesamt auch sehr positiv.

Über den Autor

Miguel A. Buitrago

Miguel A. Buitrago

Master in Wirtschaftswissenschaften und Doktor der Politikwissenschaft.

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