Nov23

Evo Morales auf Staatsbesuch in Deutschland

Von Miguel A. Buitrago Kategorie Entwicklung, Politik, Wirschaft, Volkswirtschaft

Anfang November 2015 war Evo Morales zu einem Staatsbesuch in Deutschland. Sein Treffen mit Frau Merkel kann als positiv bewertet werden. Merkel sprach von einer neuen Ära der Bolivien-Deutschland-Beziehungen und lobte seine Sozialpolitik, hielt sich jedoch mit möglicher Kritik zum Thema seiner Wiederwahl zurück.

In seiner Rede an der TU Berlin sprach Morales über die Neugründung Boliviens und den bisherigen Errungenschaften seiner Regierung. Danach besuchte er einen Siemens-Produktionsstandort. In Hamburg lernte Morales zuerst den Ersten Bürgermeister Olaf Scholz kennen. Herr Scholz schenkte ihm ein Trikot des Kultklubs Sankt Pauli; Scholz wusste, dass Morales ein großer Fussballfan ist und auch gern selber spielt. Nachmittags besuchte Evo Morales die Hafencity, wo er zudem an einem Empfang im Honorarkonsulat Boliviens teilnahm. Am Abend hielt er eine Rede bei dem vom Lateinamerika-Verein organisierten Galadinner. Nicht nur Morales, sondern auch sein Minister für Wirtschaftsplanung, Herr Orellana, versuchten, sämtliche deutsche Unternehmen für Investitionen in Bolivien zu gewinnen. Am gleichen Abend unterzeichnete der bolivianische Regierung zwei Kooperationsverträge mit Siemens und Thyssen-Krupp.

Insgesamt, so kann mann resümieren, hat sich der Staatsbesuch Morales in Deutschland sehr gelohnt. So wurde Morales sehr herzlich empfangen und erntete viel Anerkennung und Respekt für mindestens einige Askpekte seiner Politik - dies war natürlich auch für Morales politisch wie persönlich wichtig. Frau Merkel lobte seine Erfolge im Bereich Sozialpolitik. Die Unterzeichnung der Kooperationsverträge zeigt, dass die Privatwirtschaft echtes Interesse an Investitionen in Bolivien hat. Letzteres war natürlich auch ein wichtiges Ziel des Besuchs. Gleichzeitig wurde allerdings von Seiten einiger Journalisten auch Kritik an der deutschen Regierung und der Privatwirtschaft laut, denn die fraglichen oder problematischen Aspekte der Morales-Regierung, wie z.B. seine laut derzeitiger Verfassung fraglichen Bemühungen einer weiteren Wiederwahl oder die mangelnde Pressefreiheit wurden nicht angesprochen. Doch insgesamt wurde viel über den Besuch berichtet.

Sowohl Morales als auch seine Vertreter erklärten ihre Vision, wie Bolivien innerhalb einer Dekade das Energiezentrum Südamerikas werden will. Bolivien hat also große Pläne. Herr Orellana erläuterte die stabilen politischen und ökonomischen Bedingungen für ausländische Investitionen. Er sprach von den Plänen mehrere Geothermie- und Wasserkraftwerke zu bauen, von den Plänen das Lithimumvorkommen zu industrialisieren und über die verschiedenen Infrastrukturprojekte, wie z.B. die Verbindung der Pazifik- mit der Atlantikküste durch eine Zugstrecke. Diese Strecke würde nicht nur Brasilien, Bolivien und Peru verbinden, sondern durch Wasserstraßen auch Paraguay, Uruguay und Argentinien. Ferner wurden Pläne für kleinere Projekte genannt, z.B. der Bau eines Strassenbahnnetzwerks in Cochabamba Stadt und einer anderen in Santa Cruz Stadt, sowie einer regionalen Zugstrecke in der Metropolregion von Santa Cruz.

Diese Pläne haben sehr viel Interesse geweckt. Zumindest halten bereits etliche deutsche Unternehmen wie Siemens, die Deutsche Bahn, Gauff und Thyssen-Krupp ernsthafte Gespräche mit der Regierung genau in diesen Bereichen ab. Es gibt also auch in Deutschland ein klares Interesse daran, Bolivien bei diesen Vorhaben zu begleiten. Bevor Morales nach Europa kam, waren er und andere Regierungsmitglieder in New York, um auch dort Investoren für diese Projekte zu gewinnen. So berichtete die Financial Times im Oktober, dass sich über 150 Unternehmen für die Informationsveranstaltung gemeldet hatten, welche von der FT organisiert wurde. In Hamburg waren auf dem Lateinamerika-Tag mindestens genau so viele Unternehmen.

Die gute Nachricht ist auch, dass Bolivien genauso weiter machen kann wie bisher. Und dieser Besuch in Deutschland hat sich gelohnt. Viele Unternehmen sind an Geschäften mit Bolivien interessiert, und Siemens und Thyssen-Krupp haben Verträge mit dem Andenland unterzeichnet. Außerdem sind auch die Beziehungen zwischen Bolivien und Deutschland bestens, und Bolivien erhält viel wirtschaftliche Unterstützung im Bereich der internationale Kooperation und sogar ein wenig politische Unterstützung.

Über den Autor

Miguel A. Buitrago

Miguel A. Buitrago

Master in Wirtschaftswissenschaften und Doktor der Politikwissenschaft.

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