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Interviews mit Staatssekretär Rainer Bomba und mit dem bolivianischen Botschafter S.E. Jorge Cardenas

Von Miguel A. Buitrago Kategorie Bau / Infrastruktur, Entwicklung, Politik, Wirschaft

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Quelle: S.E. Jorge Cardenas

 


Telefoninterview mit Staatssekretär Rainer Bomba (3. April 2017, Zusammenfassung)

Bolivia-Visión (BV): Wie kamen Sie dazu, in diesem Projekt involviert zu sein?

Staatssekretär Rainer Bomba (RB): Als Präsident Morales im November 2015 zu Besuch in Deutschland war, habe ich ihn von Berlin aus nach Hamburg begleitet. Wir hatten ca. 2 Stunden, um uns zu unterhalten. Da war es, dass wir uns besser kennengelernt und über seine Pläne von einem Zug vom Atlantik bis zum Pazifik gesprochen haben. Nachdem ich mein Interesse bekundet hatte, lud er mich nach Bolivien ein. So fing alles an. Mittlerweile sind wir gute Freunde geworden, und das freut mich natürlich sehr.

BV: Welche Rolle spielt Ihr Ministerium für das Projekt?

RB: Nun das Ministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur hat eine beratende Rolle. Nicht nur das Ministerium, aber auch als Land haben wir ausreichend Erfahrung in der Planung und Implementierung von Infrastrukturprojekten, großen und kleinen. Deutschland ist ein Land mit einer sehr gut entwickelten Infrastruktur, ein führendes Land in dem Bereich. Diese Erfahrung würden wir natürlich gern weitergeben.

BV: Welche Rolle spielt dabei die deutsche Regierung?

RB: Durch meine Teilnahme als Staatssekretär ist natürlich auch die deutsche Regierung involviert. Allerdings nicht nur als Berater, sondern auch als Teil der Entwicklungspolitik. Unsere Ziele im Bereich Technologietransfer, aber auch Bildung, z.B. das Duale Schulsystem oder die Kooperation zwischen Universitäten, sind ebenfalls ein wichtiger Teil des Projekts.

BV: Was genau haben Sie in Bolivien am 22. März unterschrieben? Ist dazu ein Dokument einzusehen?

RB: Nachdem ich Herrn Morales schon einmal Anfang 2016 besucht habe, sind wir in den Gesprächen weitergekommen. Mein Besuch im März 2017 diente dazu, die Kooperation mehr zu festigen. In diesem Sinne haben wir ein Memorandum of Understanding unterschrieben. Dieses drückt den Willen aller beteiligten Parteien - der bolivianischen Regierung, des Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur und vor allem der deutschen Unternehmen - aus, dieses Projekt erfolgreich zu Ende zu führen.

BV: Welche Unternehmen waren mit Ihnen dabei?

RB: Das waren:
Bombardier Transportation, DB Engineering & Consulting GmbH, DFS Deutsche Flugsicherung GmbH/ DFS Aviation Services GmbH, Goldschmidt Thermit GmbH, KfW IPEX-Bank, Lufthansa Consulting Ltda, PCM RAIL.ONE AG, Siemens SA, Thales Deutschland, Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) e.V., Herrenknecht do Brasil Máquinas e Equipamentos Ltda., SAP SE, ILF Beratende Ingenieure AG, Molinari Rail AG, Stadler Rail Management aG
Aerodata AG, BAUER Spezialtiefbau GmbH, HPC Hamburg Port Consulting GmbH, IVU Traffic Technologies AG, Liebherr-Werk Biberach GmbH, Liebherr-MCCtec Rostock GmbH, Commerzbank, Ed. Züblin AG, Peter Linder Consulting, SALTEC, Schwihag AG, BÄR Bahnsicherung AG, ErvoCom AG, Molinari Rail AG, Euler Hermes Aktiengesellschaft

BV: Wie bewerten Sie den Besuch in Bolivien insgesamt?

RB: Ich schätze, die Arbeit der verschiedenen Unternehmen wird einfacher werden. Ich bin überzeugt, dass “die Bolivianer ein offenes, ehrliches und hart arbeitendes Volk sind” und dass die bolivianische Regierung ein “wichtiger und guter Partner” ist.

BV: Was kommt als nächstes - weitere Pläne?

RB: Die nächsten Schritte sind:

Ein stichfestes Konzept zu entwickeln, das den besten und effizientesten Weg beschreibt.
Die Finanzierung zu klären: Wird das Projekt als PPP, AG, oder mit Staatsbeteiligung geführt?
Die endgültige Liste der beteiligten Länder zu entwickeln: Bis jetzt sind Bolivien, Peru, Paraguay und Uruguay sicher, aber Brasilien noch nicht.
Die Wirtschaftlichkeit zu beachten. Das Projekt des Zugbaus ist nicht nur ein Weg, um Produkte effizienter zu transportieren, sondern auch Menschen (und dabei einen Beitrag zur regionalen Integration zu leisten).

BV: Vielen Dank!


Interview mit dem bolivianischen Botschafter S.E. Jorge Cardenas (4. April 2017, Zusammenfassung)

Bolivien-Visión (BV): Herr Botschafter, können Sie uns erzählen, was das Projekt Bioceanico ist?

Botschafter Jorge Cardenas (JC): Es ist das ehrgeizigste Infrastrukturprojekt in Bolivien, denn es wird endlich West- mit Ost-Bolivien verbinden und den Transport von Produkten nach China (ein wichtiges Ziel für bolivianische Produkte) auf etwa 20 Tagen verkürzen. Es ist auch für die Landwirtschaft und die Fleischindustrie in unserem Nachbarland Brasilien von Bedeutung, weil die Staaten Rondonia, Mato Grosso und Mato Grosso do Sul grundsätzlich einige der größten Produzenten von Soja und Fleisch sind. Darüber hinaus ist das Projekt für Paraguay bedeutend, weil es das Land in das Handelsnetzwerk durch den Robore-Puerto Carmelo Peralta-Teil des Parana-Flusses (der Bolivien und Paraguay verbindet) integrieren wird.

BV: Am 22. März 2017 gab es ein Treffen der Länder, die an dem Projekt teilnehmen. Sie waren auch dort anwesend. Was war der Zweck des Treffens?

JC: Ziel des Treffens war es, die politische Phase der Länder-Konsultationen abzuschließen. Wichtig war, dass Brasilien auch mit seinem Vizeminister für Verkehr präsent war. Ab April können die Teilnehmer über die vier Arbeitsgruppen an den technischen Aspekten des Projekts arbeiten.

BV: Wer hat an diesem Treffen teilgenommen?

JC: Abgesehen von Bolivien, Peru, Paraguay, Uruguay, Brasilien, Deutschland, der Schweiz und einigen französischen Investoren gab es die Vertreter von 40 deutschen und Schweizer Unternehmen, darunter Siemens, Deutsche Bahn, Swissrail, Molinari.

BV: Welche Themen standen auf der Agenda?

JC: Ein wichtiges Thema war die Bestätigung des politischen Willens, an dem Projekt teilzunehmen. Bolivien, als Koordinator, zusammen mit Peru und Paraguay unterzeichneten auf dem Treffen Vereinbarungen. Brasil hat seine Teilnahme am Bau des Bioceanico-Eisenbahnkorridors zur Integration der Region bestätigt. Darüber hinaus wurden Treffen mit Uruguay und Argentinien in diesem Monat in Buenos Aires vereinbart, um ihre Teilnahme zu bestätigen. Deutschland und die Schweiz sind die europäischen Partner, sowie einige französische Investoren.

BV: Wurden dort Entscheidungen getroffen?

JC: Ja, eine Entscheidung war, im April die Arbeit der vier Arbeitsgruppen (zwei Experten pro Land) zu den technischen Details zu beginnen. Darüber hinaus werden die BID [Interamerikanische Entwicklungsbank] (die bereits in Bolivien Studien durchgeführt hat) und die CAF [Entwicklungsbank der Anden-Gemeinschaft] ihre Arbeit beginnen.

BV: Was ist Ihrer Meinung nach die Bedeutung eines solchen Projekts für Bolivien, Deutschland, Südamerika und die Welt?

JC: Die Bedeutung für die Region ist, eine erstklassige Infrastruktur zur Verfügung zu haben, damit aus dem Ausland Güter importiert werden können, aber auch für die Stärkung des Exportpotenzials der Region.

BV: Vielen Dank.

Über den Autor

Miguel A. Buitrago

Miguel A. Buitrago

Master in Wirtschaftswissenschaften und Doktor der Politikwissenschaft.

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