Mär22

Höhenlagen-Weine: Bolivianische Weine aus den Andentälern

Von Miguel A. Buitrago Kategorie Wein

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Seit über 400 Jahren werden in der Region Tarija Weine und Spirituosen produziert. Eingeführt von spanischen Kolonisatoren, vor allem Missionaren, wurden der Weinanbau und die Arbeit damit ein Teil des Lebens in dieser Region. Heute haben bolivianische Winzer eine Weinmarke entwickelt, die die besonderen Ursprungsbedingungen widerspiegelt - den ‘Vino de Altura’ (Höhenlagen-Weine). Das Besondere daran sind die Nähe zur Sonne, die günstigen klimatischen Bedingungen und eine lange Tradition in der Weinherstellung.

Geschichte

Weinreben wurden in Bolivien - so wie im Rest von Südamerika - in der Kolonialzeit eingeführt, und zwar mit der Ankunft der spanischen Eroberer im Jahre 1548. In der Tat waren es die Missionare, die mit dem Weinbau begannen - denn sie brauchten Wein zum Trinken und für die Messe. Diese Priester haben Sorten wie "Moscatel von Alexandria" und "Misionera" mitgebracht, in Bolivien bekannt als "Negra Criolla". Um sie an die örtlichen Klimabedingungen anzupassen, wurden die Weinreben rund um Mollenbäume (Pfefferbäume) gepflanzt. Dies ist eine traditionelle Methode, die noch heute in einigen Tälern des Landes zu beobachten ist.

Als die Stadt Potosi durch die Ausbeutung des Cerro Rico (reicher Berg) zum Zentrum des Silberbergbaus wurde, forderte die anspruchsvolle, europäisch-orientierte Gesellschaft in und um Potosi eben auch Luxusprodukte, wie Wein und Destillate. Da Potosí bis zu einer Höhe von 4.050 m ü.M. ansteigt, wurden in den benachbarten Tälern südlich der Stadt in den heutigen Tarija-Tälern bolivianische Weine destilliert.

Wenngleich Bolivianer auch gern Wein tranken, favorisierten sie ein traditionelles Destillat, bekannt als Singani. Dies ist ein klares und reines Destillat von Moscatel Trauben. Erst seit der Entstehung von Weinen als Genussprodukt gelangten bolivianische Destillerien und viele neuere Weingüter in die Welt des Weinbaus. Rund um die 1960er Jahre begannen bolivianische Weinkellereien, in Technologie zur Weinproduktion zu investieren. Diese Modernisierung und Expansion markierte den Beginn einer wichtigen Periode, in der die Winzer die handwerkliche Weinproduktion hinter sich ließen und sich in kontrollierten und modernisierten Produktionsprozesse einfügten. Ab 1978 wurden edle europäische Rebsorten eingeführt. Erst dann begann die Region ihr großes Potenzial für die Produktion von hochwertigen Weinen in den Hochtälern Boliviens zu erschließen.

Eigenschaften

Die Weine Boliviens zeichnen sich durch ihre Anbauhöhe aus, sie sind authentisch und haben eine lange Tradition und werden als ‘Vino de Altura’ (Höhenlage Weine) vermarktet.

Die meisten, wenn nicht sogar alle Weinberge Boliviens befinden sich in Höhen von 1.600 bis etwa 3.000 m ü.M. Nach der Entdeckung der subtilen Unterschiede in der Weinqualität aufgrund dieser ungewöhnlichen Höhen entwickelte der bolivianische Weinsektor 1993 das Konzept der "Vino de Altura" (Höhenlagen-Weine), etwas, das dem bolivianischen Wein als einzigartiges Produkt der Welt positioniert.

Gleichzeitig haben die bolivianischen Winzer, vor allem im Cinti-Tal, ihre angestammten Weinbautraditionen erhalten. Bis zu 300 Jahre alte Rebsorten werden noch angebaut, vor allem um Mollenbäume (Schinus molle) und "chañar" -Bäume (Geoffroea decorticans). Im Einklang mit der alten kolonialen Anbautradition werden jedes Jahr die Mollenbäume beschnitten, um die Sonneneinstrahlung für die Rebe zu verbessern, die um den Stamm und die Zweige des Baumes wächst.

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Boliviens drei Weinbaugebiete und Rebsorten

Das Zentraltal von Tarija (2.400 Hektar Rebfläche zwischen 1.600 und 2.150 m)
Das Tal von von Cinti (300 Hektar zwischen 2,220 und 2,414 m ü.M.)
Die Täler von Santa Cruz (100 Hektar zwischen 1.600 und 2030 m ü.M.)

Außerdem gibt es verschiedene Täler in Potosí, La Paz und Cochabamba mit rund 200 Hektar zwischen 1.600 und rund 3.000 m.

Das Zentraltal von Tarija liegt im südlichen Bolivien an der Grenze zu Argentinien. Die meisten Weinberge liegen in den Provinzen Aviles und Cercado, mit zusätzlichen kleinen Weinbergen in den Provinzen Arce und Mendez. Die wichtigsten Sorten im zentralen Tal von Tarija sind die roten: Cabernet Sauvignon, Syrah, Merlot, Malbec, Tannat, Garnacha und Barbera, sowie in weiß: Moscatel von Alexandria, Sauvignon Blanc, Riesling, Franc Colombard und Chenin Blanc.

Das Tal von Cinti befindet sich in etwa der Mitte der nationalen Straße, die zwischen Tarija und Potosi verläuft. Wegen des angenehmen Klimas der Täler und der Nähe zu Potosi ließen sich viele Minenbesitzer von Potosi in der Region nieder, bauten attraktive Haciendas und investierten in Wein- und Singani-Winzereien. Historiker schätzen, dass etwa 63 koloniale und republikanische Weingüter und Marken im Tal von Cinti existierten. Von den heute verbleibenden produzieren nur noch wenige, aber ihre Infrastruktur und die Weinberglandschaften gibt es weiterhin in den verschiedenen Stadien der Erhaltung..

Heute werden im Tal von Cinti die roten Sorten Negra Criolla, Vicchoqueña, Misionera, Tintorera, Syrah und Cabernet Sauvignon und die weißen Sorten Moscatel von Alexandria, Cereza und Albilla gepflanzt.

Weil es noch Reben gibt, die rund um Mollenbäume wachsen, und auch aufgrund der schönen Landschaften und der Geschichte des Weinbaus in diesen Regionen, wurde das Interesse internationaler und lokaler Experten geweckt. Diese Experten haben Cinti für den Titel "Lebendiges Weinbaumuseum" der UNESCO vorgeschlagen.

Schließlich sind auch die Täler von Santa Cruz zu nennen. Diese befinden sich unmittelbar im Südwesten von Santa Cruz de la Sierra, der größten und am schnellsten wachsenden Stadt Boliviens. Aufgrund der Nähe dieser Region zu Santa Cruz werden erhebliche Investitionen in neue Weinberge und den Bau moderner Weingüter prognostiziert. Hier werden sehr kleine Mengen von Syrah, Tannat, Cabernet Sauvignon und Malbec, sowie Torrontes, Sauvignon Blanc, Riesling und Moscatel de Alejandría angebaut.

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Auszeichnungen

Langsam aber sicher gewinnt der bolivianische Wein an internationaler Anerkennung. Jüngst gewann beim größten Weinwettbewerb der Welt, dem 2016 Decanter World Wine Awards, der Tannat einen Platinpreis - ein Rotwein aus dem bolivianischen Weingut Campos de Solana. Dieser Wein verdiente sich 95 von 100 Punkten und wurde in der Preiskategorie von unter 15 Euro zum besten Roten aus Mittel- und Südamerika erklärt. Aus 100% Tannat hergestellt, beschreibt Dekanter den Wein als: "Schöne Nase, mit vibrierenden dunklen Früchten, rosa Pfeffer und Graphit. Köstliche Aromen im Gaumen, wie Brombeeren, Cassis, getrocknete Kräuter, Gewürze und Minze im Finish. Das ist ein Wein mit atemberaubender Qualität: Mundgefühl ist herrlich, Eiche ist perfekt verwaltet und Tannine sind feinkörnig und reif, aber sehr definiert.”

Tannat hat die höchste Auszeichnung in diesem Wettbewerb erreicht. Doch ist er nicht der einzige  mit einer Auszeichnung. So hat im Jahr 2014 bereits ein weiterer Tannat aus Bodega Aranjuez eine Bronzemedaille mit 86 von 100 Punkten gewonnen.

Ganz offensichtlich machen die Weingüter in Tarija, Bolivien, etwas richtig. Sie haben die richtige ‘Nase’ und sie setzen sowohl auf Tradition als auch neue Wege.

Über den Autor

Miguel A. Buitrago

Miguel A. Buitrago

Master in Wirtschaftswissenschaften und Doktor der Politikwissenschaft.

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