Okt06

Bolivien: Die Suche nach Rohstoffen & das Leben von isoliert lebenden Völkern

Von Miguel A. Buitrago Kategorie Kultur

Bolivien: Die Suche nach Rohstoffen & das Leben von isoliert lebenden Völkern

In der vergangenen Woche hat die bolivianische Nachrichtenagentur, Agencia de Noticias Fides (ANF), einen durchaus kuriosen Beitrag veröffentlicht. Laut Angaben der Agentur haben Mitarbeiter der chinesischen Firma China BGP, die Mitte September 2016 im Amazonasgebiet (nördlich von La Paz) für Erdgasvorkommen gesucht haben, einen ersten Kontakt mit Mitgliedern eines bisher isoliert lebenden indigenen Stammes gehabt. Solche Begegnungen werden immer häufiger, besonders in Bolivien, wo es Vermutungen nach noch viele isoliert lebende Stämme gibt.

Angesichts der zunehmend unklarer wirtschaftlichen Lage im Land, auch aufgrund der Schwankungen bei den internationalen Rohstoffpreisen, setzt die bolivianische Regierung aber alles daran, um die im bolivianischen Territorium existierenden Rohstoffquellen zu finden. Dabei geht es vor allem um weitere Erdgasvorkommen, der wichtigste Exportrohstoff des Landes. Die Regierung investiert daher viel Geld in internationale Firmen, wie Gazprom und China BGP, welche dann mit dieser Arbeit beauftragt werden.

Im berichteten Fall haben die Mitarbeiter der chinesischen Firma während ihrer Messarbeit Hinweise auf die Anwesenheit solch isolierter Gruppen in der Nähe gefunden, z.B. Essensreste, Fußwege und Fußabdrücke. Darüber hinaus gab es dem Bericht nach am 17. September auch den  visuellen und akustischen Kontakt; die Rede war von etwa 80 bis 100 m. In solchen Fällen verpflichtet das bolivianische Gesetz zum Stopp der Arbeit und zur Information der lokalen Behörden. Laut Bericht stoppte die Firma ihre Arbeit zunächst auch, was nicht immer selbstverständlich ist. Der lokale Verband indigener Völker (Tacana II), der diese Gruppen repräsentieren soll und zuvor bereits einer solchen Aufgabe zugestimmt hat, hat zudem den Stopp der Arbeit und eine Untersuchung gefordert. Aufgrund fehlender bürokratischer Strukturen und klarer Prozesse vor Ort nahm die Firma ihre Arbeit aber wieder auf. Die Untersuchung muss nun erst noch erfolgen.

Bolivien ist einer der größten Erdgaslieferanten der Region. Zur Förderung neuer Rohstoffquellen muss die Regierung aber auch in abgelegenen Regionen, wie den Regenwald im Amazonas, suchen lassen. Für 2015 hat die Regierung fast 30 Millionen Hektar Land zur Exploration freigegeben, davon 800.000 allein im Amazonasgebiet, wodurch auch mehrere Nationalparks und Indigene Territorien betroffen sind. So wurde bereits ein bedeutender Teil des Nationalparks Madidi an solche Firmen freigegeben. Beim im Beitrag angesprochenen Fall soll es um den Stamm der Toromonas gehen. Man war davon ausgegangen, dass dieser Stamm in der Folge des Kautschukbooms des 19. Jh. verschwunden sei. Manche Völker vermeiden ganz bewusst den Kontakt mit dem Rest des Landes, um ihre eigene Lebensart, Traditionen und Kultur zu bewahren.

Über den Autor

Miguel A. Buitrago

Miguel A. Buitrago

Master in Wirtschaftswissenschaften und Doktor der Politikwissenschaft.

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