Dez14

Pedro Pablo Kuczynski zu Besuch in Bolivien

Von Miguel A. Buitrago Kategorie Politik

Neu Veröffentlichung

Pedro Pablo Kuczynski zu Besuch in Bolivien

Dieser interessante Newsletter Artikel, geschrieben von Mateo Arbeiter von Connosco e.V., beschreibt den neu gewählten peruanischen Präsidenten Besuch in Bolivien im November dieses Jahres. In dem Artikel stellt Arbeiter die wichtigen Punkte, die von beiden Regierungen angesprochen werden sollten. Einerseits, die vielen problematischen Punkte wie Schmuggel, z.B., und mehrere Projekte für die Entwicklung beide Länder. Von diesen Projekten ist die transozeanische Eisenbahn das wichtigste.

Pedro Pablo Kuczynski zu Besuch in Bolivien

von Mateo Arbeiter

Am 4. November hat der peruanische Präsident Pedro Pablo Kuczynski (PPK) seinen Amtskollegen Evo Morales in Sucre (Bolivien) getroffen. Zuvor hatte Evo Morales PPKs Amtsvorgänger Ollanta Humala in Puno (Peru) besucht. Das erklärte Ziel dieser Treffen, die in Form von binationalen Kabinettssitzungen abgehalten werden, ist die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten.

Die Kooperation zwischen beiden Ländern hat dabei eine lange Tradition, einst waren sie Kerngebiet des Vizekönigreichs Peru und auch nach der Unabhängigkeit suchte man den Zusammenhalt in Form einer Konföderation. Später waren Bolivien und Peru Verbündete im Salpeterkrieg, nach der Niederlage in besagtem Konflikt gegen Chile unterstützte man die Petitionen des jeweils Anderen beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, um gegen die aus dem Salpeterkrieg resultierenden Grenzverschiebungen vorzugehen.

Diese haben vor allem Bolivien hart getroffen und zu einem Binnenland gemacht. Die letzten Treffen standen jedoch ganz im Zeichen aktueller Probleme, die speziell in den Grenzregionen auftreten. Als Anrainerstaaten des Titicacasees sind Peru und Bolivien für die zunehmende Verschmutzung dieses stehenden Gewässers verantwortlich. Besonders die Städte Juliaca und Puno auf peruanischer Seite leiten große Mengen ungeklärter Abwässer in den See, aus dem sie und andere Ortschaften wiederum ihr Trinkwasser beziehen, aber auch Pestizidrückstände gefährden dieses Ökosystem.

Ein anderes ungelöstes Problem ist die poröse Grenze zwischen den beiden Ländern, Schmuggel, Menschen- und Drogenhandel, aber auch zunehmend Handel mit illegalem Gold sind sehr verbreitet. Diese unkontrollierten Ströme verhindern eine nachhaltige Entwicklung der Region, da sie Korruption und Informalität fördern und andererseits nur unter diesen Voraussetzungen existieren können. So werden aus Peru gestohlene Autoteile, Gold und Kokain über die Grenze gebracht, aus Bolivien beziehen die Schmugglerbanden günstiges Benzin, Alkohol und andere Güter die in Peru teurer sind. Koordinierte Polizeiaktionen gegen Schmuggler und Abnehmer im Hinterland sollen hier Abhilfe schaffen. Die legale Wirtschaft beider Staaten soll hingegen, durch eine Ausweitung der bolivianischen Ausfuhren über peruanische Häfen, gefördert werden. Dazu müssen jedoch nicht nur Straßen und Häfen ausgebaut werden, sondern auch Grenzübergänge und Zollangelegenheiten so organisiert werden, dass Güter möglichst unbürokratisch und schnell transportiert werden können.

Ein weiteres wichtiges Vorhaben, das in der konstitutionellen Hauptstadt Boliviens ins Auge gefasst wurde, ist der Bau der transozeanischen Eisenbahnstrecke. Dieses Projekt wird vor allem von China gefördert, nicht nur, um den wichtigen brasilianischen Markt besser anzubinden und mit Gütern versorgen zu können, sondern auch um peruanische und bolivianische Bergbauerzeugnisse sowie brasilianische Agrarprodukte leichter beziehen zu können. Die Kosten für den Bau dieses Megaprojekts werden auf mindestens 10 Milliarden US-Dollar beziffert, einige Schätzungen gehen sogar von einem sehr viel höheren Betrag aus.

Geplant war zunächst, die Strecke im Norden Perus zu bauen, da dort die Anden wesentlich niedriger sind, von dort aus sollte das Amazonasgebiet durchquert werden, um dann an der brasilianischen Atlantikküste zu enden. Der peruanische Präsident hat sich jedoch im Vorfeld des Treffens für eine Verlegung der Strecke ausgesprochen, damit Bolivien auch angebunden wird. Dies wird jedoch auch zu einer deutlichen Steigerung der Baukosten führen, sind doch die Anden im Süden Perus und in Bolivien wesentlich steiler als weiter nördlich. Der durch den Einbezug Boliviens gewonnene Mehrwert ist jedoch beträchtlich, da so mehr Märkte eingebunden werden und somit auch Peru und Bolivien profitieren könnten.

Kritiker haben jedoch Zweifel, dass die Eisenbahn zum wirtschaftlichen Aufschwung der beiden Andenstaaten führen wird. Zu groß ist für sie die Wahrscheinlichkeit, dass China und Brasilien die schwachen Märkte mit konkurrenzlos günstigen Produkten überschwemmen werden und so einheimische Betriebe zerstören. Auch fürchten sie, dass der Trend des ohnehin schon starken Extraktivismus weiter verstärkt wird und sich die Terms of Trade der Andenländer verschlechtern.

A priori lässt sich jedoch nicht eindeutig feststellen, inwiefern die Eisenbahn einen positiven oder negativen Effekt haben wird. Man kann jedoch konstatieren, dass ideologisch sehr verschiedene Präsidenten wie PPK, der die Entwicklungen in Venezuela scharf kritisiert hatte, und Evo Morales, traditioneller Verbündeter des Chavismus, zur Zusammenarbeit bereit sind und sich nicht dem in Lateinamerika immanenten Lagerdenken unterordnen und daher regionale Entwicklung möglich machen.

Über den Autor

Miguel A. Buitrago

Miguel A. Buitrago

Master in Wirtschaftswissenschaften und Doktor der Politikwissenschaft.

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