Mär17

Boliviens erfolgreiche Teilnahme an der ITB 2017

Von Miguel A. Buitrago, Gerardo Basurco Kategorie Tourismus

Boliviens erfolgreiche Teilnahme an der ITB 2017

Der Eingang in die ITB Berlin, die führende Business-Plattform für das globale touristische Angebot, kann ein bisschen einschüchternd wirken. Vor allem weil die Reisemesse in den riesigen Gebäuden der Berliner Messe stattfindet, aber auch weil die jährlich stattfindende Messe packend voll ist, und zwar an jedem Tag von früh morgens bis spät abends. Das heisst, dass ab dem Augenblick, an dem man die Messe betritt, auf Tausende von Menschen aus aller Welt trifft, die hin und her zwischen allen Kontinenten dieser Erde laufen. Dieses Jahr, um in die Südamerika-Halle zu gelangen, musste man den Mittleren Osten, Arabien und einige Teile von Afrika durchqueren. Am Eingang der Südamerika-Halle traf man auf den mexikanischen und brasilianischen Pavillon, die bei weitem die größten Lateinamerikas waren.

Der bolivianische Pavillon war von Peru, Ecuador, Kolumbien und Chile umgeben. Er war leicht zu erkennen, nicht nur aufgrund der bunten Arrangements, dem schon bekannten Logos mit dem Tukanschnabel und dem Motto “Bolivien wartet auf dich”, sondern auch wegen des bereits bekannten grünen Farbton, der den Pavillon in den letzten paar Jahren charakterisiert hat.

Wieder einmal kann Boliviens Teilnahme an der ITB 2017 in Berlin als erfolgreich bewertet werden. Das ist die Schlussfolgerung Patricia San Pablos, Die Koordinatorin für internationale Märkte des bolivianischen Ministeriums für Tourismus und Veranstalter des Bolivien Pavilions.  Patricia San Pablo sagte, “dass Boliviens Teilnahme an der ITB 2017 in Berlin erneut als erfolgreich bewertet werden kann”. Besonders hervorgehoben hat sie diesmal nicht nur eine Zunahme der Zahl der bolivianischen Aussteller an der Messe (rund 15 Unternehmen), sondern auch die starke Beteiligung der Unternehmen an der Speed ​​Networking-Option, die bekanntlich zu höheren Geschäftsabschlüssen führt. Obwohl es zu verfrüht ist diese Ergebnisse in Euro zu quantifizieren, bestätigten viele Unternehmen in Gesprächen, dass sie Verträge unterzeichnet und Reisepakete verkauft hätten.

Frau San Pablo ist sich dessen sicher, dass die ITB zu einem der bedeutendsten Orte für die Akquisitionsbemühungen der Tourismusbranche auf internationalen Märkten des Ministeriums geworden ist. Obwohl viele Unternehmen nicht das erste Mal, an einer der größten und bedeutendsten Tourismusmessen der Welt auftreten, finden in der Tat erste Versuche statt, eine koordinierte Präsenz von Bolivien in einem solchen Veranstaltungsort zu präsentieren.

Das alles ist das Ergebnis einer durchdachten Planung seitens des Ministeriums, das eine kommerzielle Strategie eingeführt hat. Diese Strategie fußt auf drei Säulen: Tourismus, Investitionen und Produktivität, die die Entwicklung des Tourismus und des Landes vorantreiben soll. Teil dieser Strategie ist die Erstellung einer Website namens bolivia.travel und die Förderung einer starken Präsenz des Landes in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Googleplus und Youtube. Diese sind mit interessanten Informationen und audiovisuellen Komponenten versehen. Darüber hinaus wird das Tourismusministerium in den kommenden Jahren das erste Logo, das sogenannte Country Label (marca pais) vorstellen, welches Bolivien auf globaler Ebene bekannt machen soll.

Unten sehen Sie ein Slideshow


Bolivien auf der ITB 2017


Bolivianischer Botschafter

Ein positiver und wichtiger Impuls für die bolivianische Präsenz auf der ITB war in diesem Jahr die markante Präsenz des bolivianischen Botschafters in Deutschland, H.E. Jorge Cardenas. Er besuchte den bolivianischen Pavillon und veranstaltete am Mittwoch, den 8. eine kleine Einweihungszeremonie. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern kehrte er am nächsten Tag zurück und unterstützte die Organisatoren und die teilnehmenden Unternehmen. Das Interview mit Bolivia-Visión ist unten zu sehen.


Interview mit dem bolivianischen Botschafter H.E. Jorge Cardenas

Übersetzung:

BV: Was stellt Bolivien Ihrer Meinung nach in der ITB vor?

JC: Wichtig ist hier, dass Bolivien einen gut organisierten Pavillon präsentiert, mit einer wachsenden Zahl von kleinen, mittleren und großen Tourismusunternehmen. Zur gleichen Zeit bieten solche Unternehmen europäischen Touristen ein Land reich an Kultur und Natur. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Beteiligung der Regierung mit bedeutenden Ressourcen und ein Team von Fachleuten, die wissen, wie man Bolivien international vermarkten kann.

BV: Sie reden über Produkte, von welchen Produkten sprechen wir?

JC: Erstens, der stark vom kulturellen Aspekt geprägten kommunalen Tourismus, der sich in den letzten 10 bis 15 Jahren entwickelt hat. Ein Beispiel hiervon wäre das Chalalan-Eco-Lodge-Projekt, das im Madidi-Nationalpark angesiedelt ist und von der Gemeinde mit Hilfe von Krediten und einigen lokalen NGOs entwickelt wurde, die Fachwissen mitbringen. Weitere konkrete Beispiele sind die Tomarapi-Herberge im Sajama-Nationalpark und die Red Taita in Uyuni. Es gibt weitere Beispiele, an denen die Gemeinden in die Entwicklung der lokalen touristischen Attraktionen beteiligt sind. Das ist was wir hervorheben müssen, denn das ist Teil des fairen Handelskonzepts, das nicht mit der Größe konkurriert, sondern mit einer symbolischen Botschaft der Fairness.

BV: Wie fördert die Botschaft den Tourismus nach Bolivien?

JC: Die Botschaft legt Wert darauf, in den wichtigsten Tourismusmessen präsent zu sein, um die bolivianischen Bemühungen zur Förderung des Tourismus nach Bolivien zu unterstützen. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Umsetzung der "Volksdiplomatie" (diplomacia de los pueblos), die nicht nur die bolivianischen, sondern auch die lateinamerikanischen Gemeinden und die an diesen beiden Gemeinden interessierten deutschen Gemeinschaften betreffen soll. Der Staat versucht, diese Bindungen zu stärken, indem er die Bedürfnisse und Aktivitäten dieser Gemeinschaften wahrnimmt. Denken wir an den Aktivitäten, die aus eigenen Initiativen dieser Gemeinden in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Bonn, Zürich und Genf entstehen. In der Tat, in diesem Jahr kam ich mit sieben dieser Organisationen zusammen, um die bolivianische Teilnahme an dem diesjährigen Karneval der Kulturen in Berlin zu planen. In Zürich sind die Behörden aktiv geworden um andere Regionen einzuladen, um an dem -aus eigener Initiative- entstandenen lateinamerikanischen Karnevalsfest teilzunehmen.

BV: Das ist interessant, diese Initiativen fördern die Integration der Europäer in ihren eigenen Städten ...

JC: Genau. Das müssen wir hervorheben. Bolivien setzt auf internationaler Ebene auf die Traditionen und Kulturen der indigenen Völker. Wir änderten den Namen des Landes, um den plurinationalen Charakter der bolivianischen Kultur zu zeigen und die 36 indigenen Nationen, die Bolivien bilden, hervorzuheben. Wir betonen auch eine Lebensphilosophie, die auf dem “Vivir Bien” (Gut Leben) basiert, was sagt, dass die Menschen im Einklang mit der Natur leben müssen. Wasser ist zum Beispiel für uns kein Luxus, sondern ein Erbe der Völker. Und wir arbeiten daran, diese Themen in einer konstruktiven Weise in die internationale Agenda zu setzen.

BV: Herr Cardenas, wir bedanken uns für diese Erklärungen der bolivianischen Politik zu Europa und Deutschland.


Stimmen der Teilnehmer

Bolivia-Visión nutzte die Gelegenheit , einige Ausstelelrstimmen und -Meinungen einzufangen.

Bolivia-Visión sprach mit Reinhard Palma, Ritz Apart Hotel General Manager, eines der wenige Fünf-Sterne-Hotels in Bolivien. Herr Palma zeigte sich mit der Teilnahme an der Messe zufrieden und äußerte nächstes Jahr wiederkommen zu wollen. Ein weiterer zufriedener Teilnehmer war Herr Julio Peralta, General Manager von Tourismo Kolla, der die koordinierten Bemühungen der bolivianischen Delegation mit Unterstützung des Ministeriums für Tourismus hervorhob. Maria Luisa Villalobos, Verkaufsdirektorin von Senda Andina, Alejandro Aguirre, Besitzer von Altitude Adventures, Liz Rojas von Candelaria Tours und Leonardo Prado, Inhaber von Gateway Bolivia, bestätigten, bereits am dritten Tag Geschäfte getätigt und wichtige Kontakte gemacht zu haben.

Unten sehen Sie zwei Interviews.


Interview mit Liz Rojas, Candelaria Tours

Übersetzung:

BV: Liz, was bietet Candelaria Tours für Touristen, die nach Bolivien reisen wollen?

LR: Nun, wir sind rund 42 Jahre aktiv in Bolivien. Wir sind einer der Pionierfirmen in der Branche, und natürlich lieben wir Bolivien. Wir wollen zeigen, was Bolivien zu bieten hat, vom Tiefland über die Täler bis zum Hochland. Wir legen Wert auf den Gemeinschaft Tourismus, wo wir auch eine Entwicklung und Einnahmequelle für die indigenen Gemeinschaften sehen. Wir bieten auch Touren mit unseren eigenen Fahrzeugen und Telekommunikations-Infrastruktur zum Uyuni-Salzsee an, um die maximale Sicherheit für unsere Gäste zu gewährleisten.

BV: Seid ihr zum ersten Mal auf der ITB?

LR: Nein, das ist das vierte Jahr, an dem wir die ITB besuchen.

BV: Welches Land in Europa ist das Land mit den meisten Touristen nach Bolivien?

LR: Nach Bolivien kommen Touristen aus verschiedenen europäischen Ländern. Die Gäste aus dem Vereinigten Königreich, Deutschland und den skandinavischen Ländern überwiegen.

BV: Heute ist der vierte Tag der ITB, welche Art von Schlussfolgerungen kannst du soweit ziehen?

LR: Wir hatten viele Leute, die sich für Bolivien interessieren. Wir hoffen nun, dass diese sich für Bolivien entscheiden, damit sie ein faszinierendes Land erleben können.

BV: Deine Aussagen geben eine deutliche Zufriedenheit mit der ITB wieder, können wir davon ausgehen, dass du uns nächstes Jahr wieder besuchen wirst?

LR: Nun, ja, das ist unsere Hoffnung und Wunsch.

BV: Vielen Dank für deine Zeit.


Interview mit Leonardo Prado, Gateway Bolivia

Übersetzung:

BV & PV: Leonardo, wir lernten uns genau vor einem Jahr kennen Jahr, als du uns ein interessantes Konzept zum regionalen Tourismus vorstellst. Kannst du uns sagen, welche Fortschritte du auf dem regionalen Tourismus erzielt hast?

LP: Vielen Dank Gerardo, wir konzentrieren uns jetzt auf die “Ruta Panamericana”, wo wir Reisepakete nach Chile, Peru und Bolivien sowie nach Argentinien anbieten. Das ist was der Markt sucht und wir streben nun dieses Bedürfnis zu decken. In Zukunft wollen wir die Anzahl der Zielorte vergrößern oder sogar die Länge der Strecke diversifizieren. Das entspricht den Wünschen unserer Gäste. Wir haben erkannt, dass unsere Gäste nicht nur die Vielfalt in einem Land erleben wollen, sondern auch die Vielfalt in der Region. Wir wollen diesen Gästen die Vielfalt in Farben, Musik, Tänzen, Kultur, Traditionen, Landschaften, auf nationaler und regionaler Ebene zeigen.

BV & PV: Heute ist der vierte Tag der ITB, erzählt uns ein bisschen welche Erfahrungen du dieses Mal gemacht hast?

LP: Ich war sehr beschäftigt. Während ich letztes Jahr nur auf meinem Stand war, habe ich dieses Jahr auch andere Pavillons besucht und habe mich mit vielen Leuten ausgetauscht. Ich hatte Treffen in Europa, Asien und dem Rest Lateinamerikas. Ich bin sehr glücklich mit den Ergebnissen in diesem Jahr. Ich denke, dass sie deutlich besser als im letzten Jahr sind. Wir haben viele Gespräche geführt, wir haben viele Kontakte gemacht und wir haben einige Vereinbarungen getroffen sogar mit Menschen, die wir nicht wussten, dass wir uns treffen wollten.

BV & PV: Deine Äußerungen lassen darauf schließen, dass du nächstes Jahr wieder die ITB aufsuchen wirst?

LP: Ja, danke, danke Peru-Visión und Bolivien-Visión für diese Berichterstattung. Wir profitieren davon und wir sind sehr dankbar dafür.


Über den Autor

Miguel A. Buitrago

Miguel A. Buitrago

Master in Wirtschaftswissenschaften und Doktor der Politikwissenschaft.

Gerardo Basurco

Gerardo Basurco

Er betätigt sich als Berater und Projektleiter in der Privatwirtschaft und ist Dozent in Entwicklungspolitik und Landeskunde Lateinamerikas für die AIZ/GIZ. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Kooperation zwischen Deutschland und Lateinamerika.
Bei Peru-Vision ist er zuständig für den Bereich Wirtschaft und Politik.

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