Okt27

Bolivien bemüht sich um Investoren

Von Miguel A. Buitrago Kategorie Bau / Infrastruktur, Energie, Wirschaft, Finanz, Rohstoffe

Bolivien bemüht sich um Investoren

Mit der Hilfe von Financial Times Live (dem Konferenzveranstalter von Financial Times) hat die bolivianische Regierung am 26. Oktober in New York eine Investorenkonferenz organisiert. Mit dem Titel „Investition im Neuen Bolivien“ war das Ziel der Veranstaltung, mögliche Investoren in verschiedenen Wirtschaftsbereichen zu finden, insbesondere in der Verarbeitung von Kohlenwasserstoff, im Bergbau und in der Konsumgüterindustrie. Rund 130 Investoren haben die Veranstaltung besucht; 22 Unternehmen haben mit der bolivianischen Regierung direkte Gespräche geführt.

Obwohl die Regierung für 2015 mit einen BIP-Wachstum von 5,2 % rechnet, bereiten der Regierung zwei Entwicklungen Sorge.

Erstens zeigt sich eine Dämpfung bei den Exporten. Die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CELAC) hat für Lateinamerika in 2015 einen Exporteinbruch von 14 % vorausgesagt, für Bolivien sogar 30 %. Laut CELAC liege der Grund dafür im Rückgang der Rohstoffpreise auf dem internationalen Markt und in der gesunkenen Nachfrage für lateinamerikanische Produkte insgesamt.

Zweitens hat CELAC auch einen Rückgang in den ausländischen Direktinvestitionen prognostiziert. Für Lateinamerika insgesamt sollen es ein Minus von 21 % und für Bolivien ein Minus von 3 % sein, gerechnet in Millionen Dollar. Zusätzlich zum oben erwähnten Rückgang der Rohstoffpreise, der auch wieder zu geringeren Investitionen in Bergbau und Erdgasförderung führt, sprach CELAC des Weiteren von einer Schwächung der brasilianischen Wirtschaft, wie auch der Chinas.

Obwohl die Morales-Regierung die Wirtschaftslage in Bolivien noch immer als stabil sieht, hat sie mit der aktiven Finanzierungssuche angefangen. Vor kurzem hatte Morales die Annahme eines chinesischen Kredits in Höhe von 7,2 Milliarden Dollar angekündigt, was China zum größten Kreditgeber Boliviens macht. Ein großer Teil des Geldes wird laut Regierungsangaben zu 11 geplanten Projekten für den Bau von Straßen, eines Eisenbahnnetzes und Wasserkraftanlagen gehen.

Das Ziel der Investorenkonferenz in New York war es, potenzielle Investoren davon zu überzeugen, dass Bolivien ein stabiles Land ist und sichere alternative Investitionsmöglichkeiten bietet. Unter Morales genieße Bolivien, so die Argumentation, eine stabile politische Lage und übe gleichzeitig eine vernünftige makroökonomische Politik aus. Die Regierung hat ebenfalls ihre Industrialisierungspläne bei der Verarbeitung von Lithium und von Industriegütern hervorgehoben. Schließlich hat die Regierung auf die positive Entwicklung der nationalen Nachfrage aufmerksam gemacht. Insgesamt sei das Land also bestens darauf vorbereitet, den aktuellen wirtschaftlichen Abschwung abzufedern und die Wirtschaft wieder zu einem Aufschwung zu verhelfen.

Unter den in New York vertretenen Rednern waren sowohl Regierungsvertreter wie der Wirtschaftsminister, der Präsident des Staatlichen Energiekonzerns YPFB, der Minister für Entwicklung, sowie Präsident Morales, wie auch Vertreter der Privatwirtschaft wie der Präsident von Repsol, der Vizepräsident von Sumitomo Corporation of America und Führungskräfte einiger großer bolivianischer Unternehmen.

FT Bericht über Bolivien

Über den Autor

Miguel A. Buitrago

Miguel A. Buitrago

Master in Wirtschaftswissenschaften und Doktor der Politikwissenschaft.

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.