Sep09

Gabinete Binacional Bolivia - Perú

Von Miguel A. Buitrago Kategorie Bau / Infrastruktur, Politik, Wirschaft

Gabinete binacional treff sep 1 2017 Lima 640x480

Foto quelle: Agencia Boliviana de Informacion (ABI)

Am 1. September trafen sich in Lima der bolivianische Präsident Evo Morales und der peruanische Präsident Pedro Pablo Kuczynski, jeder zusammen mit seinem Kabinett. Beide Regierungschefs trafen sich zum dritten Mal in einem sogenannten Kabinetttreffen (siehe Titel). Bei den Gesprächen ging es um bilaterale Entwicklungs- und Handelsfragen. Zu den wichtigsten Themen gehörten der Bau der Bi-Ozeanischen Eisenbahn und die Entwicklung des Ilo-Hafens.

Bolivien und Peru haben eine besondere gemeinsame Geschichte, eine, die oftmals die Form von Allianzen hatte und die sogar für kurze Zeit im frühen 19. Jahrhundert beide Länder in einer Konföderation  vereinte. Heute haben beide Länder eine gute Beziehung. Dieser Tradition folgend haben sie Wege entwickelt, um den Handel zu intensivieren und die Entwicklung zu fördern.

Ein Weg dazu - von Bolivien im Jahr 2013 vorgeschlagen - ist der Bau einer Eisenbahn, die den Atlantik mit dem Pazifik verbinden sollte. Die Strecke der sogenannten Bi-Ozeanischen Eisenbahn soll im Hafen von Santos, Brasilien anfangen, durch bolivianisches Gebiet führen und im Hafen von Ilo, Peru enden. Dieses Projekt würde nicht nur die Verbindung zwischen den beiden Ozeanen erleichtern, sondern auch die notwendige Infrastruktur für den Transport von Waren über Grenzen hinweg von Brasilien nach Peru, durch Bolivien, und sogar die Verbindung von Paraguay und Uruguay schaffen.

Ein weiteres angedachtes Projekt zur Intensivierung der Handelsbeziehungen zwischen Bolivien und Peru ist die Entwicklung und Nutzung des Hafens von Ilo, südwestlich von Peru. Das Ziel ist dabei, bolivianische Waren nach Übersee zu verschicken, um auf diese Weise den Handel in Bolivien wie auch in Peru zu steigern. Für Bolivien wäre dies eine Alternative zum Arica-Hafen in Chile, bislang der wichtigste Hafen für bolivianische Fracht. In den letzten Jahren wurde der Hafen jedoch wiederholt von bolivianischen Behörden und Exporteuren für seine Dienstleistungen kritisiert. Dies kommt zum prekären Zustand der bolivianischen-chilenischen diplomatischen Beziehungen hinzu.

Die Zusammenarbeit zwischen Bolivien und Peru hat nunmehr an Dynamik gewonnen und es sieht so aus, als ob beide Länder dies weiter verfolgen wollen. Die Kooperation umfasst vier Bereiche: Umwelt und gemeinsame Wasserressourcen (Titicaca See und Mauri Fluss); Sicherheit und Verteidigung (ein gemeinsames System gegen Verbrechen wie Drogenhandel, Menschenhandel, Geldwäsche und Schmuggel); Sozialpolitik und institutionelle Stärkung (Transmigration); und Integration für Infrastruktur und Entwicklung (bi-ozeanische Eisenbahn und Ilo-Hafen-Entwicklung).

Das dritte Treffen, im September, führte zu einer erneuten Bejahung und dem standhaften Kompromiss beider Regierungen, alle bereits getroffenen Vereinbarungen auch zu verwirklichen. Die wichtigste Aussage war die erneute Zusage von beiden Seiten, den Ilo-Hafen zu einem Tor zur Welt für bolivianische Produkte zu machen. Im Einzelnen versicherte Peru, auf dieses Ziel hinzuarbeiten. In der Tat haben sich beide Regierungen das Ziel gesetzt, in 2018 mindestens 60 000 Tonnen bolivianische Waren durch den Hafen zu verschiffen. Darüber hinaus haben beide Regierungen erneut ihre Absicht bekundet, sich weiterhin für die Verwirklichung der bi-ozeanischen Eisenbahn zu engagieren. Beide Regierungen bestätigten ein Treffen am 14. und 15. September dieses Jahres, zu dem auch Vertreter von Brasilien, Paraguay und Uruguay eingeladen sind. Dieses Treffen soll konkrete Schritte zur Verwirklichung des Bi-Ozean-Projekts überwachen und eine entsprechende Struktur aufbauen.

Unter anderem wurde auch über die Projekte gesprochen, ein gemeinsames Grenzkontrollzentrum in der Stadt Desaguadero zu errichten, um den Fluss von Menschen und Gütern zwischen beiden Ländern zu kontrollieren. Desaguadero ist der wichtigste Transitpunkt zwischen beiden Ländern und damit auch eine Transitzone von geschmuggelten Gütern und ein Ort anderer krimineller Aktivitäten. Es wurde vereinbart, dass das Zentrum Anfang 2018 in Betrieb gehen soll. Schließlich wurde auch ein neues Treffen für 2018 in Cobija, Bolivien verabredet.

Über den Autor

Miguel A. Buitrago

Miguel A. Buitrago

Master in Wirtschaftswissenschaften und Doktor der Politikwissenschaft.

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.