Apr05

Der Teleferico in La Paz - Eine touristische Attraktion

Von Miguel A. Buitrago Kategorie Seilbahnen, Tourismus, Wirschaft

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Foto: miteleferico.bo

La Paz ist um eine neue Touristenattraktion reicher. Mit dem neuen Seilbahnsystem: Das “Mi Teleferico”, können die Besucher einen noch größeren Teil, der bereits in den Anden gelegenen Stadt, aus noch höheren Lagen erkunden. La Paz ist dabei ein interessantes, innovatives und größtenteils einzigartiges, öffentliches Transportsystem zu implementieren, das den notorischen Stauproblemen der Andenstadt gegenwirken soll. Jetzt können die Passagiere bereits sechs der elf geplanten Seilbahn Linien nutzen. Die wahre Attraktion ist jedoch die beeindruckende Aussicht, die über den Dächern von La Paz geboten wird. Ein echter Genuss für die Touristen, die die Stadt Tag für Tag besuchen.

green blue orange lines stations

orange white lines stations

Geplante

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Fotos: miteleferico.bo

Das “Mi Teleférico”, wie das Seilbahnsystem genannt wird, ist ein öffentliches Nahverkehrssystem der Luftseilbahn, das den Ballungsraum La Paz und El Alto in Bolivien bedient und von der österreichischen Doppelmayr Garaventa Group gebaut wird. Ab März 2018 besteht das System sogar aus sechs Linien (Rot, Gelb, Grün, Blau, Orange und Weiß) mit 20 Stationen. Das gesamte System wird insgesamt aus elf Linien bestehen, von denen fünf noch geplant oder im Bau sind (Purple, Sky Blue, Brown, Silver, and Gold). Basierend auf seinem Masterplan soll das fertige System eine Länge von 33,8 km mit 11 Linien und 39 Stationen erreichen. Das “Mi Teleférico” ist das erste Stadtverkehrsnetz bestehend aus Seilbahnen der Region, wenn nicht sogar der Welt, dass als primäres Transportmittel genutzt wird.

Das System wurde geplant, um ein prekäres öffentliches Nahverkehrssystem zu etablieren, das den wachsenden Anforderungen der Nutzer gewachsen ist, den hohen Zeit- und Geldkosten bei Fahrten zwischen den Partnerstädten La Paz und El Alto zu Gute kommt und dem chaotischen Verkehr, mit seinen nachfolgenden Umwelt- und Lärmbelastungen entgegenwirkt.

Die höchste Seilbahn der Welt, die zwischen 3600 und 4100 m über dem Meeresspiegel liegt, hat die Art und Weise revolutioniert, wie Einheimische zwischen La Paz und dem benachbarten El Alto fahren. Mit der Beförderung von 3000 Personen pro Stunde zwischen den beiden Standorten, haben die Seilbahnen die Pendelzeiten in vielen Fällen von einer Stunde auf nur 10 Minuten verkürzt. Die Reisekosten wurden ebenfalls reduziert. Der Preis für eine einfache Fahrt beträgt 3 Bolivianos (0,43 $), wobei Studenten, Senioren und Behinderten eine Ermäßigung von 50% gewährt wird. Im Vergleich kostet eine einfache Busfahrkarte bis zu 5 Bolivianos. Die Tickets für die Seilbahn können direkt am Bahnhof erworben werden. Die Waggons verlassen die Stationen alle 12 Sekunden und fahren 17 Stunden pro Tag und das von 5 Uhr in der Früh bis 22 Uhr nachts. In nur zwei Jahren und mit Hilfe von rund 1.200 Mitarbeitern wurde die Seilbahn bisher errichtet, die Kosten werden auf ca. 234 Millionen Dollar geschätzt.

Neben dem Bestreben, die Mobilität in La Paz zu modernisieren, ist das “Mi Teleferico” auch umweltschonend. In dem Bemühen, die Menge an Smog zu reduzieren, der die Atemluft der Stadt verschmutzt, wird das Seilbahnsystem mit Strom betrieben, von dem ein Teil durch Solarenergie zur Verfügung gestellt wird.

Das “Mi Teleferico” ist zu einer Touristenattraktion geworden. Die Seilbahnen bieten spektakuläre Vogelperspektiven von jeder der Linien aus. Wie z.B. von den hohen Gebäuden im Stadtzentrum, die den Passagieren zeigen, wie groß und weitläufig die Stadt wirklich ist.

Der gesamte Prozess war jedoch nicht frei von Rückfällen. Als das System zum ersten Mal in Betrieb genommen wurde, kam es zu Verspätungen zwischen 2 und sogar 25 Minuten. Das Problem konnte auf technische Defekte der Türen zurückgeführt werden und wurde schließlich behoben. Am 14. Februar 2015 stürzte ein Eukalyptusbaum in einem leeren Waggon der Gelben Linie. Dadurch wurde das Kabel versetzt, wodurch die Seilbahn drei Stunden lang lahmgelegt wurde. 19 Passagiere erlitten Prellungen und leichte Verletzungen und es kam zu geringen Schäden an drei Kabinen. Am 9. Mai 2016 fiel ein Turm der Blauen Linie um. Es gab 9 Verletzten.

“Mi Teleferico” verfügt auch über eine mobile App, die für Android und Apple zur Verfügung steht. Die App informiert über bestehende und zukünftige Linien der Seilbahn und sie verfügt über eine Zahlungsfunktion, die über “tigo pay” abgewickelt werden kann.

Das touristische Potenzial des “Mi Teleferico” ist noch lange nicht ausgeschöpft. Dies kann sich jedoch in den nächsten Jahren, aufgrund der Aufmerksamkeit die die Seilbahn Online, wie auch vor Ort mit sich zieht, ändern. Viele Reiseveranstalter erwähnen dies bereits in ihren Prospekten und Broschüren.

Fotos und Videos

Video gestaltung: Bolivia-Vision, Gefilmt von: G. Hoefer.

Über den Autor

Miguel A. Buitrago

Miguel A. Buitrago

Master in Wirtschaftswissenschaften und Doktor der Politikwissenschaft.

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