Okt22

Die Entwicklung der bolivianischen Wirtschaft 2016 - 2017

Von Miguel A. Buitrago, Mauricio Guillen Sardon Kategorie Wirschaft, Volkswirtschaft

Wirtschaftswachstum PIB fundacion milenio bericht bolivien 2017

Bild: Bolivianische BIP Wachstum 2000 - 2016; Quelle: Fundacion Milenio Bericht 2017.

Im folgenden Bericht ist die Wirtschaftsentwicklung Boliviens vom Jahr 2016 und teils für 2017 dargestellt. Gegenstand der Analyse ist die bolivianische Wirtschaftskraft, die aktuell von Spannungen, Unsicherheiten und von einem wandelnden Konjunkturzyklus gekennzeichnet ist.

Ein Blick auf das Bruttoinlandsprodukt bestätigt, dass sich das Wachstum der bolivianischen Wirtschaft, im Vergleich zu den vorherigen Jahren, langsamer entwickelt. Bestätigt haben diesen Trend nicht nur mehrere internationale Organisationen wie der IWF, die Weltbank und die CEPAL, sondern auch die bolivianische Regierung und unabhängige Organisationen, wie die Fundacion Milenio. So berichtet die Fundacion Milenio, in ihrer jüngsten Einschätzung der bolivianischen Wirtschaft, dass das Wachstum für 2016 4,3 Prozent betrug. Das ist eine Verlangsamung gegenüber den Vorjahren. Im Jahr 2015 betrug das Wachstum 4,9 Prozent und im Jahr 2014 5,5 Prozent. Für 2017 gehen die Erwartungen des Bruttoinlandsprodukts auseinander. Die Regierung erwartet ein Wachstum von 4,7 Prozent, während der IWF und die CEPAL eine Wachstumsrate von 4 Prozent schätzen. Die Weltbank erwartet sogar nur ein Wachstum von 3,5 Prozent.

Der Hauptgrund für diese Entwicklung ist der Rückgang der Erdgasexporte nach Brasilien und Argentinien. Während die Erdgasexporte 2015 noch bei 49 Millionen Kubikmeter lagen, fielen sie 2016 auf 43 Millionen Kubikmeter. Für die bolivianische Volkswirtschaft, die vom Verkauf natürlicher Ressourcen abhängig ist, ist der Preisverfall von Erdgas und Erdöl auf den internationalen Märkten eine ernsthafte wirtschaftliche Herausforderung.
Die Folgen sind die Reduzierung der finanziellen Mittel von Seiten der Regierung, die wiederum den Rückgang der öffentlichen Investitionen mit sich bringen. Schlussfolgernd musste die bolivianische Regierung die schwierige Entscheidung treffen, welche Projekte weiterhin finanziert werden, in welche neuen Projekte investiert und bei welchen Projekten die Finanzierung gestoppt wird. Im Jahr 2015 wuchsen die öffentlichen Investitionen um 8,5 Prozent, während 2016 ein Wachstum von nur 2,4 Prozent verzeichnet wurde. Das langsame Wachstum war auf der Regierungsebene besonders zu spüren.

Trotz des negativen Trends wuchsen der Finanzdienstleistungssektor 2016 um 7,9 Prozent und der Bausektor um 7,8 Prozent. Die Landwirtschaft wuchs im selben Jahr um 3,1 Prozent, trotz der härtesten Dürre seit 25 Jahren. Ebenso wuchs auch der Bergbausektor - vor allem kleine und genossenschaftliche Unternehmen - im Jahr 2016 um 4,7 Prozent.

Ein weiterer Faktor des Negativtrends ist der schwächelnde Inlandskonsum, der bis vor kurzem ein stabilisierender Faktor für die Wirtschaft des Landes war, aber seit 2015 eine Tendenz zum Rückgang von 5,2 Prozent im Jahr 2015 auf 3,4 Prozent im Jahr 2016 aufweist. Trotz der Bemühungen von Seiten der Regierung, durch Erhöhungen der Gehälter mehr Verbrauch zu induzieren, die Preise einiger Güter zu subventionieren und den Wert des Boliviano gegenüber dem Dollar zu stärken, konnte dem Negativtrend nicht entgegengewirkt werden.

All das hat in der Folge zu einem Haushaltsdefizit geführt - ein Problem, das Bolivien vor einigen Jahren noch nicht hatte. Für 2016 lag das Haushaltsdefizit bei 6,6 Prozent; für 2017 wird geschätzt, dass 7,8 Prozent erreicht werden. Dieses Defizit wurde in den letzten Jahren zu 70 Prozent durch die Zentralbank und zu 30 Prozent durch externe Kredite finanziert.

Die Maßnahmen, die darauf abzielen, die Nachfrage im Inland zu stärken, den Boliviano stark zu halten und hohe öffentliche Investitionen zu bewahren, haben zur Folge, dass die Inflation tendenziell nach oben getrieben wird. Die Gefahr einer solchen Politik besteht jedoch darin, die Importnachfrage zu erhöhen, denn dies wirkt sich negativ auf die inländische Produktion lokaler Güter und Dienstleistungen aus, was wiederum den Verbrauch beeinflusst. Durch das Haushaltsdefizit, die Ausweitung der Geldmenge durch große staatliche Investitionen, die Subventionen und das instabile internationale Umfeld steigt der Druck auf die Finanzwirtschaft und schafft ebenfalls ein Problem für die Regierung Boliviens. Dies sind Faktoren, die sich längst auf einige Sektoren der bolivianischen Wirtschaft auswirken.

Über den Autor

Miguel A. Buitrago

Miguel A. Buitrago

Master in Wirtschaftswissenschaften und Doktor der Politikwissenschaft.

Mauricio Guillen Sardon

Mauricio Guillen Sardon

Guten Tag, ich heiße Mauricio Guillén Sardón und habe Industriekaufmann in Madrid, Spanien gelernt und bin Absolvent des Studiengangs Management im Handel, B.A. an der School of International Business, in Bremen.

Ich bin in Deutschland geboren, jedoch stammen meine Eltern aus Bolivien. So ist es nicht abwegig, dass ich zwischen beiden Kulturen aufgewachsen bin. Dies bringt enorm viele Vorteile mit sich. Vor allem profitiert man von einem weitläufigeren Blick auf die verschiedensten Aspekte. Die Differenzen zwischen der bolivianischen und der deutschen Kultur haben schon immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Dies spiegelt sich sogar beim Thema meiner Bachelorthesis wider: „Interkulturelle Kompetenz – Ein Erfolgsfaktor für den Handel zwischen Deutschland und Bolivien“.

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