Dez11

Entwicklungspartnerschaften: ein Weg für Bolivien?

Von Miguel A. Buitrago Kategorie Geschäftsmöglichkeit, Entwicklung, Wirschaft

Entwicklungspartnerschaften: ein Weg für Bolivien?

Public-Private Partnerships (PPP) ist alles andere als eine neue Idee, aber es ist eine Idee die sich gut für bestimmte Zwecke nutzen lässt. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat diese Idee in 1999 aufgegriffen und das develoPPP.de Programm entwickelt. Seitdem fördert das Ministerium im Rahmen seines Auftrags Investitionen in Entwicklungsländern und die Erweiterung von Märkten für deutsche Unternehmen, insbesondere mittelständische Unternehmen. Der öffentliche Beitrag erfolgt als Zuschuss und das jeweilige Privatunternehmen trägt mindestens die Hälfte der Gesamtkosten, wobei dieser finanziell, personell oder in Sachleistungen erfolgen kann. So entstehen sogenannte Entwicklungspartnerschaften mit der Privatwirtschaft, welche in den unterschiedlichsten Branchen aktiv sein und sich mit verschiedenen Themen beschäftigen können.

Ein Unternehmen, das in einem Entwicklungsland investieren will, durchläuft einen relativ einfachen Prozess:

  1. Zuerst muss abgesichert sein dass das Unternehmen die Kriterien erfüllt (Jahresumsatz mindestens 1 Mio Euro, mindestens 10 Mitarbeiter und seit drei Jahren operativ tätig).
  2. Ein „Öffentlicher Partner“ muss einbezogen werden. Je nachdem, ob der finanzielle, technische oder personelle Beitrag überwiegt, wird die DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH oder die sequa gGmbH herangezogen (es sich nicht lohnt gleichzeitig zwei oder drei Anträge zu schreiben).
  3. Unternehmen und „Öffentlicher Partner“ bereiten gemeinsam den Antrag vor. Danach erfolgt die Implementierung des Projekts. Oder, bei Bedarf, können sich Unternehmen schon vorab mit dem ausgewählten Öffentlichen Partner in Verbindung gesetzt werden, um Fragen zur Erstellung des Projektvorschlags zu klären.

Seit Programmbeginn im Jahr 1999 hat develoPPP.de gemeinsam mit der deutschen und europäischen Wirtschaft mehr als 1500 Entwicklungspartnerschaften durchgeführt. In Lateinamerika allein wurden 274 Projekte mit einem Finanzvolumen von 131 Millionen Euro implementiert. Diese „Investitionen“ wurden überwiegend zur nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung eingesetzt, konkret in Landwirtschaft, Gesundheit, Umwelt, Wasser, usw. Von 1999 bis 2012 haben die öffentliche Hand 276 Millionen Euro und die Privatwirtschaft 473 Millionen Euro ausgegeben. Soweit sind die Zahlen eindrucksvoll.

Während der späten 1990er und frühen 2000er Jahre waren die PPPs noch ein Instrument zur Entwicklung Boliviens. Sogar vor der offiziellen Benennung dieses Instruments hatte Bolivien hiermit Erfahrungen gesammelt. Bolivien war in der Vergangenheit ein beliebtes Experimentierfeld für multilaterale Organisationen. Doch spätestens seit 2009 mit der Einführung der neuen Verfassung, hat sich das Land von solchen Instrumenten distanziert. Die Regierung Morales sah eine vorherrschende Rolle des Staates in der Wirtschaft vor, was wenig Platz für solche Unternehmungen ließ. Die fallenden Preise von Öl und Erdgas jedoch, die wichtigsten Rohstoffe des Landes, haben wirtschaftliche Unsicherheit in Bolivien mit sich gebracht. Der Fiskus nimmt bedeutend weniger ein, weil die Preise eben niedriger sind. Dies beeinflusst wiederum die bis 2025 geplanten und sehr ambitionierten Investitionsprogramme der Regierung.

Wenn der Fiskus weniger Geld für Investitionen hat, braucht die Regierung neue Partner. Die Idee von Entwicklungspartnerschaften könnte hierbei eine reale Alternative sein. Die jüngste Investitionsinitiative der Regierung Morales mit Besuchen in New York, Deutschland und Frankreich scheint in dieser Richtung abzuzielen (Wir berichteten). Diese Versuche von Morales zur Investorengewinnung konzentrierten sich vorläufig auf Investitionen in Wasserstoffen und deren Industrialisierung. Der Bereich der erneuerbaren Energien scheint allerdings weniger wichtig zu sein, auch wenn er mehr in Bewegung kommt.

Wenn Sie mehr Informationen brauchen, können Sie sich gerne an uns wenden.

Über den Autor

Miguel A. Buitrago

Miguel A. Buitrago

Master in Wirtschaftswissenschaften und Doktor der Politikwissenschaft.

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