Okt22

Lateinamerika-Tag 2016 in Hamburg: Mexiko, Lateinamerika, und die jüngsten Entwicklungen

Von Miguel A. Buitrago Kategorie Handel, Wirschaft, Volkswirtschaft

Beginnt in Lateinamerika eine neue Phase politischer, wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen? Oder sind die jüngeren Ereignisse einfach nur mehr vom Gleichen? Welche Rolle spielt z.B. Mexiko in der Region? Diese Fragen wurden in der vergangenen Woche, am 13. und 14. Oktober 2016, auf dem Lateinamerika-Tag 2016 diskutiert. Die jährliche Veranstaltung wird vom Hamburger Lateinamerika-Verein (LAV) organisiert; LAV bringt jedes Jahr Mitglieder des Vereins, Geschäftsleute und Lateinamerika-Experten sowie Freunde Lateinamerikas zusammen. Das Besondere in diesem Jahr war das 100-jährige Jubiläum des LAV. Im Galadinner, welches im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses stattfand, unterstrichen beide Festredner (Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, und Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments) vor allem die sozio-ökonomischen und freundschaftlichen Beziehungen beider Weltregionen.

Quelle: Miguel A. Buitrago

In verschiedenen Diskussionen auf Expertenrunden und Panels wurde über die Veränderungen in der Region gesprochen. Als erste Veränderung wird dabei das wirtschaftliche Wachstum der letzten zehn Jahre und die jüngste Verlangsamung dieses Wachstums durch die schwache Entwicklung der Rohstoffpreise auf den internationalen Märkten angesehen. Einige Länder mussten deswegen mehrmals ihre Wachstumsprognosen nach unten korrigieren. Andere mussten Reformen zur Förderung von Investitionen und Wachstum umsetzen, und andere wiederum mussten ihre Währung entwerten. Darüber sanken in den meisten Ländern in den letzten zwei Jahren die internationalen Reserven und Investitionen.

Die zweite angesprochene Veränderung war der vergleichsweise signifikante soziale Fortschritt des letzten Jahrzehnts, trotz verbleibender sozialer Ungleichheit. Dieses Paradoxon wurde in den Diskussionen beleuchtet. Die Analyse konzentrierte sich zudem auf die wachsende Kluft zwischen dem wohlhabenden/vermögenden und dem armen Teil der Bevölkerung. Dabei war das Hauptargument, dass die sozialen Fortschritte nicht ausreichend waren, um diese Kluft wieder zu verkleinern, obwohl die Zeiten des Wachstum dies ermöglicht hätten.

Zuletzt wurden die am wichtigsten politischen Veränderungen in mehreren der wichtigsten Länder der Region angesprochen. Dabei spielte am ersten Tag Mexiko eine zentrale Rolle. Weiterhin standen Brasilien, Argentinien und Kolumbien im Fokus der Diskussionen.

Ein wichtiges Ergebnis der Diskussionen wurde von Vertretern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und Internationale Finanz-Corporation (IFC) genannt: ihrer Meinung nach leidet die Region unter der niedrigen Produktivität, welche sich aus der geringen Qualifizierung der Arbeitnehmer, der niedrigen Investition in Forschung und Entwicklung (durch Regierung und Privatunternehmen) und den verschiedenen institutionellen Handelsbarrieren ergibt.

Allerdings wiesen Vertreter der Politikwissenschaft darauf hin, dass obwohl sich in der Region Veränderungen ergeben haben, diese nur einige Länder betreffen. Zudem gäbe es immer noch andere Länder, welche so gut wie keine politische Veränderung erfahren haben. Es sei ebenfalls wichtig anzuerkennen, dass viele Reformen nicht konsequent umgesetzt werden und dadurch Verbesserungen hemmen - denn oft stünde eine neue Regierung auf instabilen politischen Boden. Darüber hinaus versuchten die meisten Regierungen, ihren eigenen Weg zu gehen, anstatt zur Umsetzung vernünftiger Reformen mit der gesamten Gesellschaft zu diskutieren und zusammenzuarbeiten.

Bolivien steht für ein Beispiel eines Landes, in dem sich wenig geändert hat. Evo Morales sitzt seit mittlerweile drei Amtsperioden an der Macht und es gibt viele Unterstützer, die ihn gern weiter an der Macht sehen wollen. Zudem wächst die Wirtschaft auf einem respektablen Niveau, die negative Entwicklung bei den Rohstoffpreise scheint sich zu beruhigen, und die Bevölkerung spürt einige Verbesserungen im täglichen Leben. Darüber hinaus gibt es momentan keine klare Opposition, die ernsthaft gegen Morales antreten könnte. Morales fühlt sich daher auch relativ sicher in seiner Position und strebt die weitere Umsetzung seiner Agenda an.

Peru- und Bolivia-Vision interviewten den stellvertretenden Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, Prof. Dr. Günther Maihold, der bis Juni 2015 vier Jahre lang einen Lehrstuhl in Mexiko innehatte.

Professor Maihold äußerte sich zu Transformation, Legitimität, Integrationsbemühungen, politischer Stabilität und Rolle der Zivilgesellschaft.

Über den Autor

Miguel A. Buitrago

Miguel A. Buitrago

Master in Wirtschaftswissenschaften und Doktor der Politikwissenschaft.

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