Apr19

Der bolivianische Handel in 2015

Von Miguel A. Buitrago Kategorie Außenwirtschaft, Wirschaft, Rohstoffe

Das Bolivianische Institut für Außenhandel (Instituto Boliviano de Comercio Exterior, IBCE) hat seinen letzten Bericht zum bolivianischen Handel veröffentlicht. Der Bericht ist keine Analyse, sondern präsentiert die statistischen Daten für 2015 im Vergleich zu den Vorjahren, u.a. die wichtigsten Exporte und Importe, die exportierenden Departamentos und die Handelspartner. Bolivia-Vision präsentiert hier die wichtigsten Daten, sowie eine kurze Analyse für die nächste Zukunft.

Die Exporte

In 2015 waren die wichtigsten Exporte des Landes traditionellerweise Produkte wie Erdgas und Mineralien (bedeutend sind hier insbesondere Zinn, Zink, Gold, und Silber). Gleichzeitig gab es wichtige Exporte außerhalb dieses traditionellen Exportbereichs, vom bolivianischen Statistikamt nicht-traditionelle Produkte genannt. Die bedeutendsten in dieser Kategorie waren Soja, Paranüsse, Quinoa, Chia-Samen, Bananen, Sonnenblumen, Öl und Lederprodukte. Laut dem Bericht repräsentieren im traditionellen Exportbereich Erdgas (45%) und Mineralien (20%) die zwei Schlüsselexportprodukte Boliviens, während die Produkte im nicht-traditionellen Bereich den Rest ausmachen. Unter den bolivianischen Departamentos sind die exportstärksten Tarija (33%), Santa Cruz (25%), Potosi (17%) und La Paz (10%), denn dort befinden sich auch die Vorkommen von Erdgas und Mineralien. Die anderen Departamentos (Beni, Cochabamba, Chuquisaca und Pando) spielen hier nur eine marginale Rolle.

Auf der bilateralen Ebene exportierte Bolivien in 2015 am meisten nach Brasilien (28%) und Argentinien (17%). Diese zwei Länder kaufen aktuell das gesamte von Bolivien exportierte Erdgas, aber auch Produkte im nicht-traditionellen Bereich, wie Quinoa, Paranüsse, Bananen, Soja und Öle. Der dritt-wichtigste Handelspartner Boliviens sind mit 12% die USA, auch trotz der sich verschlechterten Beziehungen. An die USA gehen hauptsächlich Chia-Samen, Quinoa und Paranüsse, sowie Goldschmuck. Auf der regionalen Ebene (innerhalb von Mercosur, wo Brasilien und Argentinien Mitglied sind) liegt der Handel bei etwa 4 Milliarden US Dollar. Der Handel mit NAFTA (wo die USA Mitglied sind) liegt der Handel bei 1,1 Milliarden US Dollar. Die meisten Geschäfte werden allerdings innerhalb des Verbands für Lateinamerikanische Integration (ALADI) gemacht; Kolumbien und Peru, als die zwei wichtigsten lateinamerikanischen Handelspartner Boliviens, sind beide Mitglieder. Der Handel mit Soja, Sojaöl, Sonnenblumenöl, Goldschmuck, Edelsteinen, Bananen und Leder, sowie Chia-Samen, Quinoa und Paranüsse zwischen ALADI und Bolivien hat einen Wert von über 5 Milliarden US Dollar. Auch China, Japan, Südkorea, Belgien und Indien sind als Käufer dieser Produkte nicht unbedeutend.

In 2015 hat Bolivien bei den Exporten einen Bruch in der positiven Entwicklung seit 2005 erlebt, wobei dieser nach einer überdurchschnittlich positiven Entwicklung kam. Zwischen 2005 und 2014 sind die bolivianischen Exporte um rund 5,39% gewachsen. In 2015 gab es ein Minus von 32%, mit einem Einbruch von 12.893 auf 8.723 Millionen Dollar. Der Hauptgrund dafür liegt im Einbruch bei den internationalen Ölpreisen. Diese sind für Bolivien relevant, da der Preis des wichtigsten Exportguts (Erdgas) an den Ölpreis gekoppelt ist.

Nichtsdestotrotz hat die bolivianische Regierung guten Grund, optimistisch zu sein. Laut der letzten Äußerung des bolivianischen Wirtschaftsministers, Herr Catacora, bleibt die bolivianische Wirtschaft in 2016 auf einem Wachstumskurs von 5%. Diese positive Einschätzung basiert auf den weiterhin geplanten kräftigen, staatlichen Investitionen, welche sich wiederum auf die guten Steuereinnahmen und die gut gefüllten staatlichen Kassen stützen – hier ist vor allem an die außergewöhnlich großen internationalen Reserven zu denken; laut des letzten Berichts des Internationalen Währungsfond, IWF, sind es für 2015 13% des BIP).

Die Importe

Bolivien führte in 2015 Produkte im Wert von 9,6 Milliarden US Dollar ein; in 2014 waren es 10,5 Milliarden US Dollar. Die Importe konzentrierten sich auf Investitionsgüter, Zwischenprodukte, Rohstoffe und Konsumwaren, vor allem aus China (18%), Brasilien (16%), Argentinien (12%), USA (10%), Peru (6%) und recht weit hinten Deutschland (2,3%). Innerhalb Boliviens gingen 49% dieser Importe an Santa Cruz, gefolgt von La Paz (24%), Cochabamba und Oruro (9%) sowie Tarija (6%). An erster Stelle von Importen steht immer noch Diesel und Benzin. Doch arbeitet Bolivien daran, dies zu ändern. Auch importiert Bolivien Eisenprodukte, Maschinen für verschiedene Zwecke, Transportfahrtzeuge und deren Ersatzteile, sowie Arzneimittel. Aber auch Lebensmittel, wie Mehl und Fleisch, stehen auf der Importliste.

Die Analyse

Der Einbruch in Boliviens Handelsbilanz für 2015 bereitet der bolivianischen Regierung durchaus Sorgen. Doch sind diese stark abhängig von der Entwicklung der internationalen Öl- und Erdgaspreise. Falls diese Preise weiter fallen, könnte es in der Tat problematisch werden, die Regierung dann ihre Pläne nicht weiter finanzieren könnte. Die Regierung ist allerdings zuversichtlich, die Situation bewältigen zu können. Dafür hat sie zwei Argumente: 1) Sie betont die verringerte Verschuldung des Staates. Laut des letzten IWF-Berichts liegt diese bei noch überschaubaren 42 % des BIP für 2016. 2) Die oben genannten internationalen Reserven (ebenfalls 42% des BIP) gibt der Regierung einen guten Handlungsspielraum.

Auch wenn der Preisverfall spürbar ist, muss man auch das Volumen berücksichtigen. In fast keinem der exportierten Produkte ist das Volumen zurückgegangen. Boliviens Produktion ist also gut aufgestellt und funktionstüchtig. Ein genauerer Blick zeigt sogar einen leichten Anstieg bei der Produktion einiger Produkte. Wenn also die Preise wieder steigen, wie man z.B. beim Öl bereits sehen kann, werden auch die Einnahmen steigen. Das wäre nicht nur für die Investitionspläne der Regierung von großer Bedeutung, sondern auch für die Gläubiger, welche Bolivien weiter Kredite geben.

Nichtsdestotrotz bereiten manche Situationen bei den bolivianischen Handelspartners Sorgen. Hier ist vor allem die politische Situation in Brasilien und Argentinien als bedeutend zu nennen, denn bald finden Verhandlungen über die Erdgaspreise statt. Beide Länder haben ihre Absicht geäußert, weiterhin bolivianisches Erdgas kaufen zu wollen. Darüber hinaus, während die Beziehungen mit den USA eher schlecht bleiben, will Bolivien ein Freihandelsabkommen mit der EU verhandeln. Die EU hat ihre Haltung zu den Block-Verhandlungen mit den Andenstaaten revidiert, so dass sie nun auch bilaterale Verhandlungen mit einzelnen Ländern führt. Doch muss sich jedes Abkommen bestimmten Rahmenbedingungen anpassen; diese bestehen bereits als Muster mit Ekuador und Peru.

Letztendlich hat Bolivien gute Gründe, mit Zuversicht in der nähere Zukunft zu blicken. Die wirtschaftliche Situation ist gut und die Handelsbilanz ist noch tragbar. Allerdings hängt dies sehr von der Entwicklung des internationalen Ölpreises ab, und darin erklärt sich auch eine Instabilität. Die Wenn-dies-dann-das-Szenarios werden sich bis Ende des Jahres ausspielen müssen.

Über den Autor

Miguel A. Buitrago

Miguel A. Buitrago

Master in Wirtschaftswissenschaften und Doktor der Politikwissenschaft.

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