Mai18

Der Handel zwischen Bolivien und der EU

Von Miguel A. Buitrago Kategorie Außenwirtschaft, Handel, Wirschaft

Seit 2013 musste sich die bolivianische Regierung, nach mehreren Jahren von Handelsüberschüssen, an die Idee eines Handelsdefizits gewöhnen. Auch im Handel zwischen der EU und Bolivien galt dies. Doch hat die Regierung erst 2015 den Einbruch in der Handelsbilanz öffentlich zugegeben. Die Regierung ist zuversichtlich, die Situation bewältigen zu können, und sie hat dafür zwei Hauptargumente. Erstens, betont sie die verringerte Verschuldung des Staates. Laut des letzten IWF-Berichts liegt diese bei noch überschaubaren 42 % des BIP für 2016. Zweitens, geben die internationalen Reserven (ebenfalls 42% des BIP) der Regierung einen guten Handlungsspielraum.

Ähnlich sieht die Regierung die Erweiterung des Handels mit der EU. Die wirtschaftliche Beziehung zwischen Bolivien und der EU ist zwar relativ gering, aber sehr aktiv.

Export Import Bol 2015

Der Handel könnte folgendermaßen charakterisiert werden: Während Bolivien für die EU „nur“ einer der Handelspartner in der Region ist (eins von zwölf Ländern) und dazu im regionalen Vergleich einen relativ kleinen Markt (ca. 10 Millionen Einwohner/5200 Euro Einkommen pro Kopf ) ausmacht, so bedeutet diese Beziehung für Bolivien das Gegenteil, nämlich dass die EU einen enormen, aus mehreren nationalen Märkten bestehenden Markt mit großer Kaufkraft darstellt. In diesem Zusammenhang ist die Beziehung auch von zwei Seiten derselben Münze zu sehen. Auf der einen Seite stehen die Interessen der EU, welche sich politisch auf Entwicklungshilfe und Zusammenarbeit konzentrieren, was wegen der dadurch finanzierten verschiedenen Investitionsprojekte wiederum eine nicht unbedeutende Rolle für den bolivianischen Handel spielt. Gleichzeitig ist die EU hauptsächlich an Rohstoffen und einigen anderen Produkten aus Bolivien interessiert. Auf der anderen Seite stehen die bolivianischen Interessen, die sich auf die Beschaffung von Kapitalgütern und den Zugang zum europäischen Markt konzentrieren.

Der Handel

Für 2015 berichtete das Nationale Statistische Amt (Instituto Nacional de Estadistica, INE), dass die EU-bolivianische Handelsbilanz ein Defizit von 439 Mill. USD hatte. Dies ist Teil eines negativen Trends seit 2012 – und auch für 2016 sieht es so aus. Doch sollte betont werden, dass der Handel zwischen der EU und Bolivien von 2000 bis 2015 um jährlich 9,69 % im Export und um jährlich 15,66 % im Import gewachsen ist. Dies gibt Gründe zum Optimismus. Außerdem erklärt die Regierung den negativen Trend mit zwei Faktoren: Seit 2011 versucht die Regierung Morales das Land mittels Gründung mehrerer Staatsfirmen zu industrialisieren, diese benötigen viele Kapitalgüter. Des Weiteren sind seit mindestens 2013 die internationalen Öl- und Erdgaspreise gesunken, doch hat Bolivien dies erst 2015 und 2016 zu spüren bekommen. Erst während des ersten Quartals 2016 hat die Regierung angedeutet, etwas vorsichtiger mit seinen Ausgaben zu sein.

Die Bedeutung des Handels für Bolivien

Im internationalen Vergleich war der Handel zwischen Bolivien und der EU in 2015 relativ gering, jedoch für beide Parteien nicht unbedeutend. Für die bolivianische Wirtschaft haben die Exporte in die EU 8% aller bolivianischen Exporte ausgemacht. Auf der Importseite waren 12 %. In den letzten 10 Jahren hat Bolivien Produkte im Wert von 6,1 Milliarden Dollar in die EU exportiert und etwa 7,2 Milliarden Dollar von der EU importiert. Das zeigt eine insgesamt negative Handelsbilanz für Bolivien – für den Gesamtzeitraum mindestens 1 Milliarde Dollar. Außerdem belegt die EU den 4. Platz der bedeutenden Handelspartner für bolivianische Exporte, nach Brasilien, Argentinien und den USA, und den 3. Platz für Importe.

Bolivien handelt mit fast allen Ländern Europas. Die wichtigsten europäischen Länder für den bolivianischen Export sind Belgien, Niederlande und Spanien; für den Import sind es Deutschland, Schweden und Spanien. In 2015 waren die bedeutendsten Exportprodukte Zink, Paranüsse, Silber, sowie Zinn und Quinoa. Auch wurden in geringeren Mengen Gold- und Silberschmuck, Blei, Leder, Chia Samen, Alkohol und Wolfram exportiert. So waren vom Gesamtexportvolumen 59 % Mineralien und 41 % andere Produkte. Zudem importiert Bolivien eine ganze Reihe von Produkten aus Europa, so z.B. Maschinen mit eigener Funktion, Traktoren, Benzin, Turbinenteile, Teile für Windenergiemaschinen, elektrische und elektronische Teile, Transportmaschinen und -teile.

Die Regeln

Der Handel zwischen Bolivien und der EU wird unter dem GSP+ System (EU 978/2012) geregelt. Dieses soll diejenigen Länder stimulieren, welche mehr Handel brauchen und die Menschen- und Arbeiterrechte sowie Umwelt- und Good-Governance-Normen stärken sollen. Dieses System schreibt einen Null zoll für ausgewählte bolivianische Produkte fest. Jedoch nutzt Bolivien diese Vorteile im Handel mit der EU nicht in vollem Umfang, so ein Bericht (Dok. auf Spanisch) des Bolivianischen Instituts für Außenhandel (Instituto Boliviano de Comercio Exterior, IBCE). Vor allem verhindern die vielen Ausnahmen und Nicht-zollmechanismen die Einführung vieler bolivianischer Produkte in die EU Märkte. Auch gibt es auf der bolivianischen Seite einige Schwierigkeiten, z.B. politische Instabilität, juristische Unsicherheit, schwache Infrastruktur, bürokratische Hürden und ungenügend Finanzierung.

EU-Bolivien-Handelsabkommen

Bis vor zwei Jahren wollte die EU ein Handelsabkommen mit der gesamten Andenregion verhandeln und abschließen. Politische Faktoren und divergierende Interessen haben dies verhindert. Nun hat sich die EU für bi-laterale Abkommen entschieden. In 2010 hat die EU zwei Abkommen unterschrieben mit Kolumbien und Peru, und mit Ekuador in 2014. Bolivien zeigte sich zuerst sehr vorsichtig, denkt nun aber über ein Handelsabkommen nach.

Über den Autor

Miguel A. Buitrago

Miguel A. Buitrago

Master in Wirtschaftswissenschaften und Doktor der Politikwissenschaft.

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